
FVSB: 80 Jahre Partner der Industrie
Die Wurzeln der heutigen Schloss- und Beschlagindustrie lagen weniger in den Städten, sondern in den Regionen, in denen die Schlossmacherei als Nebenerwerb von Bauern ausgeübt wurde. Diese Tradition war besonders im Bergischen und Märkischen Land über Jahrhunderte verbreitet. Das erklärt, warum so viele Firmen heute noch – und auch der Fachverband – in Velbert ihren Sitz haben.
Die heute bekannte deutsche Schloss- und Beschlagindustrie entstand schließlich im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts – zunächst durch neue Schlossfabriken im Niederbergischen Lande, speziell Velbert und Heiligenhaus. Später waren es vor allem mutige Entrepreneure, die ihr Handwerk im Niederbergischen gelernt hatten und dann in den anderen Regionen Deutschlands Schloss- und Beschlagfabriken errichteten.
Da Deutschland bisher keine Tradition in der industriellen Herstellung von Schlössern besaß, begann man mit der Herstellung von Produkten, die sich in Großbritannien und den USA bereits bewährt hatten. Nach und nach fand eine Weiterentwicklung dieser Produkte statt und auch Neuheiten wurde geschaffen.
Kriege bremsen wirtschaftliche Erfolge
Die ersten Jahre des neuen 20. Jahrhunderts waren eine Periode des ungebremsten wirtschaftlichen Aufstiegs der Branche, der 1914 jäh durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges beendet wurde. Wie in fast allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens, wurde auch in den Fabriken der Schloss- und Beschlagbranche die Produktion auf die Herstellung von Rüstungsgütern umgestellt. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Jahre von Inflation, Besatzung und Weltwirtschaftskrise geprägt. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten versprach zunächst einen Aufschwung. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs schien sich jedoch die Geschichte zu wiederholen und die Fabriken wurden erneut zu Waffenschmieden.
In der Produktionsweise hatte sich in all diesen Jahrzehnten praktisch nichts verändert und 1946, im Gründungsjahr des FVSB, sahen die Produktionsstätten noch fast genauso aus wie um die Jahrhundertwende. Ab diesem Zeitpunkt stand der Fachverband den Unternehmen auf ihrem Weg zur zeitgemäßen und modernen Produktion stets als verlässlicher Partner zur Seite.
Am 4. Februar 1946 wurde der Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie e. V. (FVSB) gegründet – auf Anordnung der damaligen Militärregierung, und zwar als Unterabteilung des ebenfalls 1946 gegründeten Wirtschaftsverbandes Eisen, Blech und Metall verarbeitende Industrie (EBM).
132 Fabrikanten und Firmenvertreter aus ganz Deutschland versammelten sich dafür in Velbert im Rheinischen Hof, der vor dem Zweiten Krieg noch Velberter Hof hieß. Auch wenn das Gründungsprotokoll ein paar Monate auf sich warten ließ und der Eintrag ins Vereinsregister erst ein Jahr später stattfand, wird dieses Treffen als der Geburtstag des Fachverbandes angesehen.
Der erste eingetragene Vorstandsvorsitzende des FVSB war Ernst Hülsbeck von Hülsbeck & Fürst GmbH & Co. KG (heute Huf Hülsbeck & Fürst GmbH & Co. KG), August Winkhaus von Aug. Winkhaus GmbH & Co. KG (heute Aug. Winkhaus SE) hatte das Amt des ersten stellvertretenden Vorsitzenden inne und der zweite Stellvertreter war Erich Vollmann von Steinbach & Vollmann GmbH & Co. KG (heute Steinbach & Vollmann GmbH) – und damit allesamt Firmen, die es heute noch gibt. Geschäftsführer wurde Dr. Bruno Pilz. Sein Büro befand sich in den gemieteten Räumen auf der Neustraße, der heutigen Sternbergstraße in Velbert.
Gründung der ARGE
Genau 10 Jahre nach der FVSB-Gründung wurde 1956 der europäische Dachverband der Schloss- und Beschlaghersteller gegründet: die ARGE. Damit waren die Hersteller dieser Branche schneller als die Staaten selbst. Erst 1957 wurde mit der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) durch Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Nie-derlanden die Grundlage für die Entstehung der Europäischen Union geschaffen.
Der Fachverband war gut auf die Herausforderungen, die mit einem Zusammen-rücken Europas verbunden sein sollten, vorbereitet. Bereits ab 1954 hatten die Verbände der Europäischen Schloss- und Beschlagindustrie Kooperationsgespräche geführt. Auf ihrem ersten gemeinsamen Kongress in München gründeten sie dann 1956 die Arbeitsgemeinschaft ARGE. Damals war Paul Matthey von BOMORO Bocklenberg & Motte GmbH & Co. KG der Vorstandsvorsitzender des FVSB. Er folgte 1955 auf Ernst Hülsbeck und war bis 1973 in diesem Amt tätig.
Heute sind 13 europäische Staaten in der ARGE vertreten. Der europäische Verband koordiniert und vertritt beispielsweise die Interessen der nationalen Mitgliedsverbände in Hinblick auf europäische Organisationen wie das Europäische Komitee für Normung (CEN). Die Geschäftsführung der ARGE wanderte zunächst, je nachdem in welchem Land gerade der Vorsitz lag.
Seit 2011 hat die Geschäftsführung ihr festes Zuhause im Verbandshaus des FVSB in Velbert gefunden. Über die Mitgliedschaft in der ARGE gestaltet der FVSB seit Beginn die internationalen Interessen seiner Mitgliedsunternehmen auf europäischer Ebene mit. Ihr Generalsekretär ist seit September 2019 Hans Weißenböck, ein absoluter Kenner der Branche, akribischer Business-Mann und Netzwerker. Zuvor war er sechs Jahre lang Chairman (Vorsitzender) der ARGE.
Messen als Ort des Austauschs
In den 80 Jahren der Geschichte des FVSB spielte auch das Messegeschehen immer eine große Rolle. In der Nachkriegszeit eröffnete in Köln die Hausrat- und Eisenwarenmesse (HEM). Bereits seit den 1950er Jahren war sie für den Fach-verband die bedeutendste Messe, da zahlreiche Unternehmen aus der Schloss- und Beschlagindustrie dort ihre Produkte präsentierten. Auch damals schon standen die Gespräche mit den Einkäufern des Handels im Vordergrund.
Mit der positiven wirtschaftlichen Entwicklung wuchs auch die Messe. Um den steigenden Teilnehmer- und Besucherzahlen und den immer größer werdenden Angeboten gerecht zu werden, gingen aus der HEM später vier eigenständige Messen hervor. Eine davon ist die 1971 gegründete Internationale Eisenwarenmesse. Die im Laufe der Zeit immer erklärungsbedürftiger werdenden Produkte machten den Kontakt zum Verarbeiter unabdingbar. So fokussierte sich der Fachverband nach jahrzehntelanger Beteiligung an der Eisenwarenmesse Mitte der 1990er Jahre auf andere für die Branche relevante Messen. Heute sind für den FVSB vor allen die BAU in München und die Fensterbau Frontale in Nürnberg wichtige Messen.
Gründung Gütegemeinschaft und PIV
In 80 Jahren hat der Fachverband viel erlebt. War nach dem Krieg zunächst die Schaffung neuen Wohnraums die Priorität gewesen, so wurden schon die 1960er und anschließend die 1970er Jahre vor allem von großen öffentlichen Bauvorhaben bestimmt. In diesem Sektor waren gemeinsame Standards und Qualitätskriterien von ganz besonderer Bedeutung. Beim Fachverband reagierte man auf diese Entwicklung, indem 1977 nach längerer Vorbereitung von 20 Firmen die Gütegemeinschaft Schlösser und Beschläge gegründet wurde. Dieser Zusammenschluss qualitätsbewusster Hersteller und Dienstleister im Bereich Schlösser und Beschläge sollte zukünftig die Gütesicherung durchführen und überwachen.
Besonders begleitet wurde die Gründung durch Karl-Joachim Fliether, dem späteren Vorsitzenden des Fachverbandes. In der von ihm kommissarisch geleiteten Gründungsversammlung wurde bereits der Gedanke der Schaffung eines einheitlichen, unabhängigen Qualitätszeichens betont. Die strikte Neutralität und große Bekanntheit von RAL-Zeichen generell waren entscheidend, für die Gütegemeinschaft die Anerkennung als RAL-Gütegemeinschaft zu beantragen. Gleichzeitig wurden Aktivitäten entwickelt, ein eigenes zur Gütegemeinschaft zugehörendes Prüfzentrum zu schaffen. Diese Idee war für die Industrie zwar neu, die Argumente einer preiswerten, unabhängigen und räumlich nahen Prüf-stelle aber so überzeugend, dass unmittelbar Räumlichkeiten angemietet wurden. So nahm 1978 das Prüfinstitut Velbert, kurz PIV, die Arbeit auf.
Umzug innerhalb Velberts
Seit seiner Gründung 1946 residierte der Fachverband im Gebäude des Arbeitgeberverbandes in der damaligen Neustraße, heute Sternbergstraße Nummer 3, in Velbert. Im Jahre 1986, vor genau 40 Jahren, kaufte der Verband sein heutiges Domizil. Ein repräsentatives, ehemaliges Bankgebäude in der Offerstraße Nummer 12, in dem auch Räumlichkeiten für Sitzungen und Tagungen zur Verfügung stehen. Flankiert wird der Verband dort von den Villen der Velberter Schloss- und Beschlagfabrikanten der Gründerzeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Auch bei den Vorstandsvorsitzenden gab es einen Wechsel. Als Nachfolger von Dr. Werner Hülsbeck, der seit 1973 den Vorsitz ausübte, wählten die FVSB-Mitglieder 1985 Karl-Joachim Fliether von der KFV GmbH zum neuen Vorstands-vorsitzenden. Er war bis 2003 im Amt – das Jahr in dem Wolfgang K. Schlieper von WILKA zum Vorstandsvorsitzenden gewählt und Stephan Schmidt Geschäftsführer des Fachverbandes wurde.
Vorsitzende des Fachverbandes
Seit der Gründung des Fachverbandes im Jahr 1946 bis zum Jahr 2003 gab es insgesamt vier Vorstandsvorsitzende – ein Ehrenamt, das bis dahin meist über mindestens ein Jahrzehnt ausgeübt wurde. Im Jahr 2003 trat Wolfgang K. Schlieper von der WILKA Schließtechnik GmbH das Amt an. Ihm folgte 2009 Petra Hautau von der HAUTAU GmbH. Sie übernahm den Vorsitz bis zum Jahr 2013.
In den vier Folgejahren haben sich die stellvertretenden Vorsitzenden das Amt geteilt. Das waren Wolf Hoppe von der HOPPE AG, der aktuell seit 39 Jahren im Vorstand des FVSB tätig ist, und Michael Meier von der SIMONSWERK GmbH Baubeschlagtechnik. Erst 2017 bekam der Verband einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Karl Kristian Woelm von der Woelm GmbH wurde von den Mitgliedern gewählt. Er übt das Amt bis heute mit großem Engagement aus.
Gleichgeblieben ist in all der Zeit der Geschäftsführer Stephan Schmidt.
In den 80 Jahren, in denen es den FVSB nun gibt, hat sich viel verändert, aber einiges ist auch geblieben, zum Beispiel die Bürokratie. Schon in den 1950er Jahren wurde gegen sie im Verband gekämpft. Heute ist der Zeitaufwand so-wohl im Verband als auch bei den Mitgliedern deutlich höher geworden – so hoch wie nie zuvor. Hier hilft der Verband seinen Mitgliedern mit Workshops, Arbeitskreisen und Webinaren, um diesen enormen Aufwand zu bewältigen. Als verbindendes Element fördert der FVSB zudem das Netzwerk untereinander – stets unter Einhaltung kartellrechtlicher Vorgaben.
Der FVSB war, ist und bleibt die verbandliche Organisation der Schloss- und Beschlaghersteller in Deutschland und somit die zentrale Interessenvertretung für Unternehmen der Branche. Mit Herz und Branchenverstand setzt er sich für seine Mitgliedsunternehmen auf allen Ebenen ein – auch in Zukunft.
War diese Info hilfreich?
Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Testimonial gesucht
Es gibt viele gute Gründe im FVSB-Mitglied zu sein. Damit wollen wir nicht hinterm Berg halten und diese auf unserem LinkedIn-Kanal gern veröffentlichen. Was ist Ihr Hauptgrund für Ihre Mitgliedschaft?

Zuversichtlicher Blick nach vorn
50 Mitgliedsvertreter haben an der jährlichen Mitgliederversammlung im Verbandshaus des Fachverbandes Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) am 23. Juni teilgenommen. Das vielfältige Programm stieß auf reges Interesse.

Aktionsplan zur Senkung der Baukosten veröffentlicht
Den „Aktionsplan zur Senkung der Baukosten” hat das Bundesbauministerium auf der Investorenkonferenz im Rahmen des X8-BauDialogs am 19. Juni 2026 vorgestellt.