80 Vertreter aus der Schloss- und Beschlagbranche seitens der Industrie und des Fachhandels kamen in Hannover zur 64. Ständigen Konferenz zusammen.
26.11.2025 - News

Ständige Konferenz 2025

Blick nach vorn richten
Eine beklagenswerte wirtschaftliche Lage und Kritik an der derzeitigen Regierung – das war der Grundton der diesjährigen Ständigen Konferenz in Hannover. Zur 64. Auflage kamen am 19. November 80 Vertreter aus der Schloss- und Beschlagindustrie sowie dem Fachhandel zum gemeinsamen Austausch zusammen.

Organisiert wird das Treffen traditionell vom Arbeitskreis Baubeschlag (AKB) im Zentralverband Hartwarenhandel (ZHH) und Fachverband Schloss- und Beschlagindustrie (FVSB) und stets abgehalten unter Einhaltung der Compliance-Regeln. 

AKB-Sprecher Oliver Nagel von der Seefelder GmbH gab bekannt, dass der Fachhandel dieses Jahr wirtschaftlich mit einer Stagnation rechne. Die Kosten steigen, die Bürokratie wuchert. „Es ist wahnsinnig, welche Kapazitäten das mittlerweile im Unternehmen bindet“, berichtet der Vorstandsvorsitzende des AKB. Auch der Ukraine-Krieg bremse immer noch die Investitionen. In der Summe sorge das für massive Planungsunsicherheiten. Es fehle die Zuversicht, auch wenn die Hoffnung auf Besserung durchaus vorhanden sei. So erwarten die Handwerksbetriebe – und damit die Kunden des Fachhandels – für das 2. Halbjahr 2025 eine Stabilisierung der Handwerkskonjunktur auf dem nun besseren Niveau. Allerdings gehen sie derzeit noch nicht von einer weiteren Belebung aus. Für Geschäfts- und Auftragslage sowie Beschäftigungs- und Umsatzentwicklung gehen die Betriebe nur von einer Seitwärtsentwicklung aus.

Ein wesentliches Moment der Ständigen Konferenz war und ist der Austausch.
Ein wesentliches Moment der Ständigen Konferenz war und ist der Austausch.

Seitwärtsbewegung oder doch ein Aufwärtstrend?

Dorentina Kodralija, Geschäftsführerin des AKB, zeigte die konjunkturelle Lage im Fachhandel auf. Auch wenn ein Hoffnungsschimmer sichtbar sei, sitze der Handel „zwischen den Stühlen“: 26% bewerteten die Lage als schlecht, 22% als befriedigend, 48% als ausreichend und nur 4% als gut. Damit habe sich die Stimmung im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Währenddessen verzeichnen die Produktbereiche Bauelemente (+8,94%), Schließ- und Sicherheitstechnik (+10,56%), Automation (+8,62%), Smarte Gebäudetechnik (+10%) und der Bereich Service- und Dienstleistungen (+11,5%) gute Zuwächse. Ein Minus schlägt in den Bereichen Möbelbeschlag (-4,22%), Werkzeuge (-2,73%) und mechanische Befestigungstechnik (-0,78%) zu Buche. In der Summe wird mit einer Seitwärtsbewegung auch im nächsten Jahr gerechnet. Während 28% für das Jahr 2026 einen schlechteren Umsatz erwarten, gehen 39% von keiner Veränderung aus und 33% erwarten eine Verbesserung. 

Ein großes Problem sei die sich verschlechternde Zahlungsmoral der Kunden: 63% der Befragten bemängelten sie, 33% sahen keine Veränderung der seit Jahren bestehenden Herausforderung, nur 4% berichteten von Verbesserungen. Der Zahlungsverzug liege mittlerweile bei bis zu zehn Tagen. Folgen seien Insolvenzen und Forderungsausfälle. Doch zu klagen, helfe nicht, attestierte Nagel. Vielmehr gelte es den Blick nach vorn zu richten, wettbewerbsfähig zu bleiben, KI einzusetzen und sich gegenseitig zu unterstützen und zu vernetzen. 

Eine Tendenz zur baldigen Besserung wird seitens der Schloss- und Beschlagindustrie bereits gesehen, wie der FVSB-Vorstandsvorsitzende Karl Kristian Woelm äußerte. Demnach sieht die Industrie positive Anzeichen für eine Trendwende. So würden beispielsweise Kritis-Regulierungen Impulse geben. Dennoch leiden die Unternehmen ebenfalls unter der überbordenden Bürokratie. Auch wenn das Thema schon immer für Klagen gesorgt habe, sei jetzt ein bislang nicht gekanntes Niveau erreicht.

Zur Untermauerung der positiven Tendenz zog FVSB-Geschäftsführer Stephan Schmidt zwei Studien heran: die Innentürenstudie von B+L und die Fenster- und Außentürstudie von Heinze. Aus beiden geht hervor, dass die Talsohle erreicht ist und es ab jetzt aufwärts geht. Für das Jahr 2026 sei im Innentürbereich mit einem Zuwachs von 1,6% und im Jahr 2027 mit einem Plus von 5,7% auf 7,45 Millionen Innentüren in Deutschland zu rechnen. Für dieses Jahr wird seitens der Türenhersteller eine leicht positive Entwicklung erwartet. Allerdings dämpft B+L diese Erwartungshaltung: Trotz des sehr erfreulichen 1. Quartals 2025 werde aufgrund der fehlenden Baugenehmigungen aus dem Jahr 2024 auch in diesem Jahr mit einem Rückgang gerechnet. B+L geht von 
-3,3% auf dem gesamten Türenmarkt in 2025 aus.

Trotz der wirtschaftlich herausfordernden Lage war die Stimmung gut.
Trotz der wirtschaftlich herausfordernden Lage war die Stimmung gut.

Potenziale sind vorhanden

Der Außentürenmarkt folgt einer ähnlichen Entwicklung wie der Fenstermarkt: Für dieses Jahr wird ein Rückgang von 0,2 Prozent auf 1,134 Millionen Stück erwartet. 2026 steigt die Nachfrage auf 1,163 Millionen Stück (+2,6 Prozent). Der Neubau zieht dabei deutlich an (+6,5 Prozent), während die Sanierung nur leicht wächst (+1,5 Prozent). Über den Zeitraum von 2023 bis 2026 ergibt sich damit zwar ein Rückgang von 1,236 Millionen Stück im Jahr 2023 auf 1,163 Millionen Stück im Jahr 2026. Bemerkenswert sei aber der hohe Anteil an Türen mit erhöhter Sicherheit: 2026 liegt dieser bei 62,5 Prozent. Während im Wohnungsbau bereits über 70 Prozent erreicht werden, ist im Nichtwohnbau mit rund 40 Prozent noch erhebliches Potenzial vorhanden.

Zusammenfassend merkte der Verbandsgeschäftsführer an, dass es positive Indikatoren gibt: Die Genehmigungen steigen, die Zinsen sind moderat, der Bau-Turbo startet, es gibt Vereinfachungen bei KfW-Förderung, die Abschreibungsmöglichkeiten sind gut und Bedarf ist reichlich vorhanden.

Trotz der durchwachsenen Lage waren sich die Organisatoren sowie die Teilnehmer allerdings in einem absolut einig: Die Teilnehmerzahl der Ständigen Konferenz sagt aus, wie wichtig das Format ist. Die Veranstaltung ist eine feste Größe und der Austausch miteinander sehr wertvoll. 

Die 65. Ständige Konferenz findet am 11. November 2026 nach derzeitiger Planung in Fulda statt. Eine Ortsänderung ist noch möglich.

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